© Bruno Hasler
Das Lawinenbulletin wird präziser Sicherheitstipp Wintersport
Neu wird die Lawinengefahr mit Zwischenstufen ergänzt. Die wichtigsten Fragen und Antworten für Wintersporttreibende.
Die Skitourensaison steht vor der Tür. Welche Neuerungen gibt es bei der Lawinenwarnung?
Im Lawinenbulletin des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) werden ab diesem Winter die Gefahrenstufen unterteilt. Die fünf Stufen werden weiterhin wie gewohnt verwendet, aber neu mit Zwischenstufen ergänzt: Ein angefügtes Minus bedeutet, die Gefahr liegt eher im unteren Bereich der angegebenen Gefahrenstufe; mit einem Plus liegt sie eher im oberen Bereich; ein Gleichheitszeichen heisst, dass sie etwa in der Mitte liegt.
Wo sind die Abstufungen im Lawinenbulletin genau zu finden?
Wer nur kurz auf die Gefahrenkarte schaut, sieht auch weiterhin nur das Wichtigste, also die ganzen Gefahrenstufen. Erst wer sich genauer informiert und sich die Zeit nimmt, die Gefahrenbeschreibung zu öffnen, bekommt nebst dem Text neu auch die Zwischenstufe angezeigt (siehe Abbildung 1).
Wie kann der Skitourengeher diese präzisierten Gefahrenstufen einsetzen?
Wenn man an den paar gefährlichen Tagen des Winters keine Skitour machen will, kann man künftig Gebiete ab Gefahrenstufe 3+ meiden und sich stattdessen eine sicherere Region oder ein sichereres Datum suchen. Die Zwischenstufen lassen sich aber auch mit der grafischen Reduktionsmethode oder der Snowcard hervorragend nutzen (siehe Abbildung 2). In Computermodellen werden sie bereits eingesetzt, zum Beispiel bei der Berechnung des Lawinenrisikos auf der Plattform skitourenguru.ch. In Kursen wird zudem schon lange unterrichtet, wie man aus der Gefahrenbeschreibung im Lawinenbulletin herauslesen kann, ob die aktuelle Situation tief oder hoch in der Gefahrenstufe ist. Das wird jetzt mit den Abstufungen klar und systematisch kommuniziert. Damit ist das Lawinenbulletin einfacher zu interpretieren.
Warum kann das SLF diese Abstufungen einführen?
Das SLF hat die Zwischenstufen wissenschaftlich untersucht. Während sechs Jahren wurden sämtliche Gefahreneinschätzungen auch den Zwischenstufen zugeordnet, ohne diese zu publizieren. Die Zuordnung wurde dann mit Einschätzungen aus dem Gelände verglichen und der Datensatz statistisch ausgewertet. Bei trockenen Lawinen waren die Ergebnisse höchst erfreulich, bei Nassschneelawinen hat es nicht funktioniert. Deshalb werden bei nassen Lawinen keine Zwischenstufen angegeben. In einer zweiten Studie wurden die Zwischenstufen auch noch mit objektiv messbaren lawinenbildenden Faktoren verglichen.
Bringt die Einführung der Abstufung auch eine Gefahr mit sich?
Wer die Zwischenstufen nicht beachtet, vergibt eine wichtige Information. Gefährlicher als heute ist das nicht. Aber die Minusgrade sollten ernst genommen werden. Eine 3- heisst nach wie vor «erhebliche Gefahr» und darf nicht zur Gefahrenstufe 2 schöngeredet werden.